Vom Sinn und Unsinn des ‚inneren Schweinehundes‘

In Empfehlungen zur persönlichen Entwicklung wird oft vom „Inneren Schweinehund“ gesprochen, der je nach Werte-Hintergrund diszipliniert, überwunden, besänftigt oder integriert werden soll.

Das Bild vom Schweinehund wirkt heute locker und harmloser, als es von der Bedeutung und der früheren Nutzung her ist:

„Hund“ war lange ein Schimpfwort für einen verachteten Menschen, „Schwein“ stand zusätzlich für Unreinheit und moralische Verkommenheit.

Erst im 19. Jh. verschiebt sich die Bedeutung vom äußeren Feind zum inneren Gegner und bezeichnet Faulheit, Bequemlichkeit und mangelnden Willen. Der Ausdruck „den inneren Schweinehund überwinden“ wurde vor allem im Kontext von Militär, Sport und bürgerlicher Selbstdisziplin genutzt. In der Nazi-Zeit und besonders in den Reden von Goebbels spielte er eine wichtige Rolle.

Er beschreibt die Vorstellung, dass im Menschen ein niederer, triebhafter Anteil steckt, der überwunden werden muss und stand nun für alles, was als Schwäche galt: Zweifel und Widerspruch, Rückzug und individuelle Bedürfnisse.

Fürs Coaching eignet sich der Begriff m.E. nicht.
Einerseits wegen der unguten Konnotation. Und weil es in der Regel sinnvoller ist, die unterschiedlichen Aspekte eines Veränderungswiderstandes in ihrer persönlichen Bedeutung kennen und schätzen zu lernen, statt sie zu bekriegen.

Also zu fragen:
Worum gehts denn genau bei diesem inneren Widerspruch, der da bekämpft werden soll? Was will ich nicht? Und warum? Was will ich  denn stattdessen? Und wozu könnte er auch gut sein? Wovor bewahrt er mich und wofür könnte ich ihm dankbar sein? Woran hindert er mich und was ist der Preis? …

Und dann möglichst passendere Namen zu finden, die dem Widerstand eine neue Begründung und ein neues Gesicht geben.

Welche fallen Euch dazu ein? 😉

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