Jauchzet – Frohlocket…
Bisher habe ich das Weihnachtsoratorium immer wie ein einziges großes Werk gehört.
Durch ein liebevoll gemachtes Programmheft habe ich diesmal verstanden:
Bach hat 1734 dafür nicht alles „neu“ komponiert, sondern Musik aus früheren, vor allem weltlichen Kantaten übernommen und neu gedeutet: neuer Text, neuer Kontext, oft andere Tonarten und Besetzungen. Im sogenannten Parodieverfahren, einer damals gebräuchlichen Praxis.
Eingängiges Beispiel ist der jubelnde Eingangschor: „Jauchzet, frohlocket“ war vorher festliche Huldigungs-Musik zum Geburtstag der Kurfürstin von Sachsen 1733 („Tönet, ihr Pauken! Erschallet Trompeten.“).
Aus höfischem Glanz wird Weihnachtsfreude. Bereits vorhandene Einzelteile fügen sich durch eine neue Dramaturgie in ein stimmiges Gesamtkunstwerk.
Für mich ein schönes Beispiel für eine wichtige Erkenntnis:
👉 Wir müssen nicht immer alles neu erfinden. Vieles ist schon da, wir müssen es nur wieder entdecken, neu zusammenfügen und sinnvoll weiterentwickeln.
Die Zeit zwischen den Jahren lässt sich gut für eine positive Bestandsaufnahme nutzen:
Was ist alles schon da? Worauf kann ich bauen?
Was sind meine Kraft- und Energiequellen, Ressourcen und Talente?
Und wie kann ich sie im nächsten Jahr weiterentwickeln?
Wo kann ich Vorhandenes wieder aufgreifen, neu zusammenfügen oder so ‚umarbeiten‘, dass es einen neuen, stimmigeren Sinn ergibt?
Was könnte das sein?
Im Video hört man den Eingangschor „Jauchzet! Frohlocket“ gesungen von der Kantorei der Blankeneser Kirche, die mich für dieses Weihnachten in die richtige Stimmung gebracht haben 😉🎄😇
