Plan B bei Kündigungsangst

Die Coachee ist in Sorge: „In meiner Branche gibt es gerade viele Entlassungen. Ich habe Angst, dass es auch mich treffen könnte – obwohl ich anerkanntermaßen gute Arbeit leiste und es in meinem Unternehmen bisher auch noch keine direkten Anzeichen gibt. Ich brauche einen Plan B.“

Wer besser vorbereitet sein möchte, noch bevor es zu einer Kündigung kommt, kann Einiges tun, um sich zu positionieren, z.B.:

👉 Finanzen klären

Wie lange könnte ich meinen Lebensstandard halten, wenn morgen das Gehalt ausfällt? Was brauche ich zum Leben und was ließe sich im Notfall einsparen? Worin besteht mein Sicherheitsnetz und wie kann ich es ggf. ausbauen? (Abfindungsanspruch, Rücklagen, Versicherungen, Unterstützung durch Freunde und Familie, Arbeitslosengeld…)

👉 Rechtssicherheit schaffen

Welche Zeugnisse, Zertifikate oder Projektbeschreibungen sollte ich parat haben für mögliche Bewerbungen?

Welche Verträge und Absprachen bestehen? Was weiß ich und was müsste ich zusätzlich klären zum Thema Arbeitsrecht im Kündigungsfall? Wer könnte mich ggf. juristisch vertreten?

👉 Netzwerke pflegen

Ein gutes Netzwerk mit aktuellen Kontaktdaten ist die beste Absicherung, wenn man plötzlich neu starten muss. Welche Freunde, ehemalige Kolleg:innen, Vorgesetzte oder Geschäftspartner:innen würden mir helfen? Wie kann ich mein Netzwerk aktivieren und besser pflegen, möglichst bevor ich es brauche?

👉 Sichtbarkeit ausbauen

Wie zeige ich meinen Impact fürs Unternehmen? Wie teile ich Erfahrungen und Ergebnisse (z.B. bei LinkedIn, in Fachforen)? Wie sorge ich dafür, dass ich bei Entscheidungen mitgedacht werde? Wie schlüssig ist mein CV / LinkedIn-Profil…? Welche Personalberater:innen könnten mir weiterhelfen?

👉 Anschlussfähig bleiben

Welche meiner Kompetenzen sind auch in anderen Branchen oder Rollen gefragt? Was müsste ich ausbauen? (z.B. AI-Kompetenz, Leadership, Projektmanagement, Coaching o.ä.).

Und andersrum: Was bietet mein aktueller Job, um anschlussfähig zu bleiben? Wo und wie könnte ich Felder erobern, die zukünftig sinnvoll sind?

👉 Kommunikation regulieren

Statt sich an Gerüchten zu beteiligen, zu klagen oder sich zurückzuziehen, ist Ruhe bewahren entscheidend. Mit wem kann ich wirklich offen reden und wer könnte im Zweifel mein Fürsprecher werden?

👉 Das ganze Leben in den Blick nehmen

Arbeit ist eine wichtige Säule unserer Identität, aber nicht das ganze Leben. Was sind die strukturellen Gründe einer möglichen Kündigung?

Und was bleibt von mir, wenn der Job wegfällt: Welche Stärken und Fähigkeiten, Erfahrungen und Beziehungen? Welche Ziele, Werte und Interessen? Was könnte noch (und vielleicht sogar besser) zu mir passen? Dieses persönliche Kapital geht nicht verloren.

Ob mit oder ohne Kündigungsangst, die Reflexion und die konkrete Vorbereitung hilft, sich neu zu orientieren und zu positionieren. Das ist der beste Schutz, den man sich selbst in unsicheren Zeiten schaffen kann.

Auszug aus einer Kolumne, veröffentlicht bei Spiegel.de »

Ergänzt, kommentiert und teilt diesen Text gern bei LinkedIn »